Biologie

 

Obwohl sie sich auf den ersten Blick nicht ähneln, sind die Gottesanbeterinnen (Mantodea), auch als Fangschrecken oder Mantiden bezeichnet, eng mit den Schaben (Blattodea) und den Termiten (Isoptera) verwandt. Die Ordnung Mantodea gliedert sich in mehrere Familien auf, wobei sie mehr als 2400 Arten umfasst. In Mitteleuropa kommt nur eine Art (Mantis religiosa) vor. Die anderen Arten findet man im Mittelmeerraum oder in den (Sub-)Tropen. Allen gemeinsam ist die Umformung des ersten Beinpaares als Fangarme. Mit diesen fangen sie ihre Beute, wobei es sich dabei hauptsächlich um andere Insekten oder Spinnen handelt. Viele Arten haben sich im Laufe der Evolution ihrer Umgebung angepasst und verschmelzen mit ihren Farben und Formen geradezu mit dem Hintergrund. Diese Tarnung wird auch Mimese genannt. Kommt ein Fressfeind jedoch zu nahe, können sie eine Drohaltung einnehmen, bei der sie die Flügel oder Fangarme aufklappen und deren Warnfarben zeigen oder große Augen imitieren. Einige Arten imitieren im frisch geschlüpften Zustand (auch Nymphen genannt) das Aussehen von ungenießbaren Ameisen. Das Nachahmen von giftigen bzw. ungenießbaren Tieren wird Mimikry genannt.

Häutungen und Lebensdauer: Wie andere Insekten müssen auch Gottesanbeterinnen sich häuten um zu wachsen. Dabei sieht die Larve mit jeder Häutung dem adulten Tier (bzw. der Imago) ähnlicher. Diese Form von Entwicklung wird als hemimetabol bezeichnet und unterscheidet sich von der holometabolen Form, wo sich die Larve von der Imago stark unterscheidet und die Entwicklung zum ausgewachsenen Tier in nur einer einzigen Form, der Puppe, stattfindet (Beispiel: Schmetterlinge). Insgesamt brauchen Gottesanbeterinnen je nach Art 6 bis 10 Häutungen bis sie adult sind. Dabei erfolgt die erste Häutung unmittelbar nach dem Schlupf (und wird nach meiner Zählweise dann als L1 bezeichnet - sie hat also eine Häutung hinter sich. L2 hat dann zwei Häutungen hinter sich usw.). Die darauffolgenden Häutungen finden je nach Temperatur und Nachrungsangebot im Abstand von zwei bis vier Wochen statt. Männchen brauchen für gewöhnlich ein bis zwei Häutungen weniger als die Weibchen der gleichen Art. In Ausnahmefällen kommt es zur zusätzlichen Häutung, zum Beispiel bei lang anhaltender Kälte, Nahrungsmangel oder wenn das Tier ein Bein verloren hat welches mit den folgenden Häutungen allmählich wieder nachgebildet wird. Eine Gottesanbeterin hat in der Natur meistens eine Lebensdauer von unter einem Jahr, in Haltung können große Arten jedoch bis zu zwei Jahre Alt werden. Manche Arten benötigen eine Winterruhe, die meisten im Eistadium durchgeführt wird.

Flugfähigkeit: Grundsätzlich sind alle Gottesanbeterinnen im adulten Stadium geflügelt, wobei die Weibchen eher flugfaul sind und ihre Flügel hauptsächlich zum Sturzabfang oder Drohen benutzen. Bei manchen Arten (z.B. Parasphendale ssp.) sind die Flügel der Weibchen sogar zurückgebildet. Männchen sind jedoch meist gute Flieger, da sie nachts, im Schutz der Dunkelheit, den Pheromonen (Duftstoffen) der Weibchen folgend teilweise weite Strecken zurücklegen.

Geschlechtsdimorphismus: Ein allen Arten gemeinsamer (aber nicht immer leicht zu erkennender) Unterschied von Männchen und Weibchen (Geschlechtsdimorphismus) bildet sich ab der vierten oder fünften Häutung (L4/L5). Dabei wächst bei den Weibchen das vorletzte Tergit (Bauchplatte) am Ende des Hinterteils über das letzte, sodass eine große Endplatte entsteht. Bei den Männchen ist dies nicht der Fall. Somit ist ab L4/L5 bei den Männchen eine Bauchplatte mehr als bei den Weibchen zu sehen. Der Unterschied von Männchen und Weibchen kann sich je nach Art jedoch zusätzlich in Form, Farbe und Größe äußern. Letzteres ist besonders stark ausgebildet bei der Orchideenmantis (Hymenopus coronatus Abb.1), wo die Männchen nur ca. ein Drittel der Körperlänge der Weibchen erreichen. Andere Unterscheidungsmerkmale entnehmen Sie bitte den jeweiligen Artbeschreibungen.

Geschlechtsdimorpismus Orchideenmantide

Abb. 1: Geschlechtsdimorphismus bei Hymenopus coronatus